Koptisches Kalkstein-Ostrakon, Streitgespräch des Kirchenvaters Kyrill (Coptic ostracon with a dispute of the church father Kyrill)
Description
Das Streitgespräch des koptischen Kirchenvaters Kyrill mit heidnischen Philosophen ist auf einer großen Kalksteinscherbe niedergeschrieben. Das Ostrakon aus Theben ist beidseitig beschriftet ( 44 und 56 Zeilen) und datiert in das 7. Jahrhundert.Es handelt sich um eine Legende aus der Jugend des berühmten Patriarchen von Alexandria (412-444). Der vierzehnjährige Kyrill streitet mit Dionysios, dem Sohn des Präfekten Ulpianos, über die Realität des griechischen Gottes Zeus. Beide können sich nicht einigen und bitten den Philosophen Philosophron zu entscheiden. Dieser versammelt Christen und heidnische Philosophen im Hörsaal der Universität von Alexandria zur öffentlichen Auseinandersetzung. Über die Diskussion am zweiten Tag heißt es: ». ..Dionysios behauptete: ]ApolIon ist erhaben in seinen Werken.[ Kyrill erwiderte: ]Vorerst ist Zeus beschämt- Nun behauptest du, Apollon ist rein, obwohl er doch ein Wüstling ist.[ Da sagte der Philosoph Philosophron zu Kyrill: ]Es schickt sich nicht, über den herzufallen, der nicht anwesend ist.[ Kyrill antwortete: ]So kann er kein Gott sein, weil er nicht bei denen ist, die über ihn streiten. Unser Gott istimmer mit uns.[ Philosophron bereute den Satz, den er gesagt hatte, und schämte sich vor denen, die ihn gehört hatten. ..«Der Streit endet am dritten Tag mit dem Sieg Kyrills, der die Anwesenden von der alleinigen Existenz des christlichen Gottes als Erschaffer der Welt und Herr des Himmels überzeugen konnte. Erst etwa 200 Jahre später, lange nach Kyrills Tod, auf der Vorder- und Rückseite einer großen Kalksteinscherbe (Ostrakon) in Theben geschrieben, wird hier vermutlich kein wirkliches Ereignis aus dem Leben Kyrills berichtet.Die Erzählung sollte wohl schon die frühen Jahre des streitbaren Theologen verherrlichen, der die ägyptische Kirche zu einer einmaligen Machtstellung in der christlichen Oikumene des Orients geführt hatte. Geschrieben ist die Erzählung in Koptisch, der letzten Sprachstufe des Ägyptischen, mit griechischen Buchstaben und sieben zusätzlichen Zeichen aus dem Demotischen. Im 2. Jh. n. Chr. entstanden,wurde das Koptische in seinen verschiedenen Dialekten wesentlich geprägt durch das frühe Christentum und erst nach Jahrhunderten als Umgangssprache allmählich durch das Arabische verdrängt. Es blieb jedoch bis heute Kirchensprache in Ägypten.I. Müller
Cross-references (1)
- SMB-ObjectId 279776 tier-2
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